Wie ist die Rechtslage, wenn ein Crewmitglied plötzlich erkrankt?

Die Fluguntauglichkeit des Piloten infolge seiner plötzlichen und unvorhersehbaren Erkrankung ist im Sinne der Rechtsprechung des EuGH auf ein Vorkommnis zurückzuführen ist, dass nicht Teil der normalen Ausübung der Tätigkeit des betroffenen Luftverkehrsunternehmens und von ihm tatsächlich nicht zu beherrschen ist.

März 7, 2017

In diesem Fall meldete sich der Co-Pilot nachweislich krank. Auf der Langstrecke seien nur 3 Piloten vorgesehen und angesichts einer reinen Flugzeit von 10:40 Uhr erforderlich gewesen, um eine Überschreitung der höchstzulässigen Dienstzeit der Crew von 11 Stunden zu vermeiden und die erforderlichen Ruhezeiten zu gewährleisten. Das Gericht vertritt die Ansicht, dass die Fluguntauglichkeit des Piloten infolge seiner plötzlichen und unvorhersehbaren Erkrankung im Sinne der Rechtsprechung des EuGH auf ein Vorkommnis zurückzuführen ist, dass nicht Teil der normalen Ausübung der Tätigkeit des betroffenen Luftverkehrsunternehmens und von ihm tatsächlich nicht zu beherrschen ist. Zur Crew-Dienstzeit gehört nicht nur die reine Flugzeit, sondern auch bereits die Tätigkeiten wie bspw. das „briefing“ oder die Rollzeiten zuvor. Sofern dieser Flug nur mit zwei Piloten durchgeführt worden wäre, läge die Überschreitung der Dienstzeit beider Piloten auf der Hand. Die Zeugin hat in diesem Punkt laut Auffassung des Gerichts überzeugend ausgeführt, dass sie die Variante des Fluges mit zwei Piloten nochmals nachgefragt hat.

Fallübersicht  
Amtsgericht Frankfurt a. M.
Aktenzeichen 30 C 2104/16 (71)
Flugnummer SA 232
Strecke Frankfurt a. M. – Johannesburg
Flugdatum 15.12.2015
 Urteil (Download) Urteil 30 C 2104_16 (71)
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