Entschädigung bei Überbuchung

Es passiert immer häufiger, dass Airlines ihre Flüge überbuchen, um ihre Kapazitäten maximal auszulasten und entsprechend mehr Gewinn mit einem Flug zu erzielen.

Juni 21, 2017

Flugpreise werden immer günstiger, daher gibt es immer mehr Fluggäste, die ihre Tickets verfallen lassen, wenn ihnen spontan doch etwas dazwischenkommt. Gerade Business- oder First-Class-Passagiere zahlen mehr Geld für ihre Flugtickets, um spontan einen anderen Flug nehmen zu können, wenn es ihr Terminplan erfordert. So gab es allein 2009 bei Lufthansa ca. 3 Millionen „No-Shows“. Das heißt, dass der Fluggast seinen Flug nicht angetreten ist und das Ticket somit verfallen ist.

Die Airlines kalkulieren diese „No-Shows“ mit ein und überbuchen daher ihre Flüge, um einen möglichst profitablen Flug durchzuführen. Flüge, bei denen es besonders häufig vorkommt, dass Passagiere ihren Flug nicht antreten, haben daher eine Überbuchungsrate von bis zu 15 %.
Laut Lufthansasprecher Ogursky haben die Fluggesellschaften Prognosesysteme entwickelt, die die voraussichtlichen Passagierzahlen jedes Fluges berechnen, so kann ein Flug effizient überbucht werden und die Airlines möglichst wirtschaftlich arbeiten.

Laut Lufthansa geht diese Taktik gut auf. So kamen 2009 auf jeden durch Überbuchung nicht beförderten Passagier 8 Fluggäste, die durch die Überbuchung zusätzlich befördert werden konnten.

Welche Flugstrecken werden besonders häufig überbucht?

Geschäftsstrecken wie Frankfurt – London oder Hamburg – Paris werden häufiger überbucht als Urlaubsstrecken wie Düsseldorf – Palma de Mallorca. Dies liegt daran, dass viele Geschäftsreisende spontane Terminwechsel haben und oft Business-Class fliegen und somit flexibler sind, was ihre Flugzeiten angeht. Urlaubsflüge hingegen werden seltener überbucht, da hier die Rate der Passagiere, die erfahrungsgemäß den Flug nicht antritt wesentlich geringer ist.

Flug überbucht – was nun?

Sollte es Sie dennoch erwischen und Sie werden aufgrund eines überbuchten Fluges nicht befördert ist dies sehr ärgerlich. Oft müssen Passagiere lange Wartezeiten in Kauf nehmen, bevor Sie auf einen anderen Flug umgebucht werden. Meist werden weiterführende Informationen seitens der Airline nur sehr spärlich gegeben.

Nichtbeförderung

Wird Ihnen aufgrund einer Überbuchung das Boarding verweigert, spricht man von einer Nichtbeförderung. In diesem Fall steht Ihnen eine Entschädigung zu. Melden Sie sich freiwillig, um auf einen anderen Flug umgebucht zu werden oder wird vorweg eine Kompensationsleistung von der Airline angeboten, welche Sie akzeptieren bzw. annehmen, entfällt dieser Anspruch. Werden Sie jedoch gezwungen auf einen anderen Flug auszuweichen, steht Ihnen gemäß der EU-Fluggastrechte-Verordnung eine Ausgleichszahlung zu.

Erreichen Sie Ihr Ziel aufgrund einer Überbuchung mit einem Ersatzflug mindestens 2 Stunden verspätet, steht Ihnen gemäß der EU-Verordnung 261/2014 eine Entschädigungsleistung zwischen 250€ und 600€ zu, je nachdem, wie lange Ihre Flugstrecke ist.

Lesen Sie mehr zu Überbuchungen:
www.sueddeutsche.de/reise/passagierrechte-wenn-der-flieger-ueberbucht-ist-1.1471395
www.welt.de/reise/article142779505/Was-Passagieren-bei-ueberbuchten-Flugzeugen-zusteht.html

Flug nicht ausgelastet

Auch das Gegenteil einer Überbuchung- eine Unterbuchung- kann dem Reisenden unter Umständen Probleme bereiten. Sind Flüge nicht voll ausgelastet, kann es passieren, dass eine Fluggesellschaft kurzerhand einen Flug streicht. Dies geschieht insbesondere, wenn eine Airline an einem Tag gleich mehrere Flüge auf einer Strecke anbietet und die betroffenen Fluggäste ohne große Probleme auf einen anderen Flug umgebucht werden können. Offiziell wird dies meist nicht als Grund für die Annullierung angegeben, oft sprechen die Fluggesellschaften von „operativen Gründen“, wenn Flüge aufgrund mangelnder Auslastung nicht stattfinden oder zusammengelegt werden. Sollte eine Fluggesellschaft bei einer Annullierung also keinen plausiblen Grund angeben und liegen eindeutig keine „außergewöhnlichem Umstände“ vor, haben Sie gemäß der EU-Verordnung auch hier ein Recht auf eine Entschädigungsleistung. Lesen Sie mehr unter Annullierungen.

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