Flugentschädigung bei Crewproblemen

„Probleme mit der Crew“ sind kein Grund Entschädigungsleistungen vorzuenthalten

Mai 18, 2017

Airlines verweisen immer wieder auf „Probleme mit der Crew“ und nutzen dies als Grund keine Entschädigungsleistung zahlen zu müssen. Was viele Reisende nicht wissen, die Fluggesellschaften müssen in der Regel auch bei solchen Einschränkungen und daraus resultierenden Verspätungen Entschädigungsleistungen erbringen.

Arbeitszeitüberschreitung

Das Kabinenpersonal und die Piloten unterliegen strengen Arbeitszeitbeschränkungen, damit stets ein sicherer Flugbetrieb gewährleistet werden kann. Seit dem 1. April 2016 gelten für alle Fluggesellschaften in Europa die einheitlichen Europäischen Vorschriften zu Flugdienst- und Ruhezeiten. Entscheidend für die Bestimmung der maximal täglichen Flugdienstzeit ist die folgende Übersicht:

Dienstbeginn

maximale Dienstzeit

1 bis 2 Flüge
3 Flüge
4 Flüge
06:00 – 13:29
13h
12h 30min
12h
13:30 – 13:59
12h 45min
12h 15min
11h 45min
14:00 – 14:29
12h 30min
12h
11h 30min
14:30 – 14:59
12h 15min
11h 45min
11h 15min
15:00 – 15:29
12h
11h 30min
10h
15:30 – 15:59
11:45min
11:15min
10:45min
16:00 – 16:29
11h 30min
11h
10h 30min
16:30 – 16:59
11h 15min
10h 45min
10h 15min
17:00 – 04:59
11h
10h 30min
10h
05:00 – 05:14
12h
11h 30
11h
05:15 – 05:29
12h 15min
11h 45min
11h 15min
05:30 – 05:44
12h 30min
12h
11h 30min
05:45 – 05:59
12h 45min
12h 15min
11h 45min

Dabei wird streng darauf geachtet, dass diese Arbeitszeiten nicht überschritten werden. Worauf genau bei der Kalkulation von den maximalen Arbeitszeiten geachtet wird und wieso dies wichtig ist, können Sie hier nachlesen:

www.airliners.de/flugdienst-ruhezeiten-basiswissen-airline-operations-12/37550

Es kommt also immer wieder vor, dass Piloten oder das Kabinenpersonal einen Flug nicht antreten können, weil sie durch vorangehende Verspätung sonst ihre erlaubte Arbeitszeit überschreiten würden. Oft haben die Airlines in diesen Fällen Probleme schnell einen Ersatz zu finden. Wie ernst diese Arbeitszeitbeschränkungen genommen werden, zeigt folgendes Beispiel: Ein Air France Pilot startete seinen Langstreckenflug von New York nach Paris mit einer wetterbedingten Verspätung von 6 Stunden, damit er seine zulässige Arbeitszeit nicht überschreitet, musste er in Manchester zwischenlanden. In diesem Fall hat der Pilot seine Arbeitszeit also aufgrund eines außergewöhnlichen Umstandes (Verspätung durch Wetter) überschritten. In einem solchen Fall muss die Airline keine Entschädigung leisten.
www.welt.de/wirtschaft/article137794205/A380-Pilot-bricht-Flug-ab-wegen-Ueberstunden.html

Es kommt bei einer Arbeitszeitüberschreitung der Crew oder der Piloten also stets darauf an, warum die Arbeitszeit überschritten wird. Liegt dies schlichtweg an schlechter Planung seitens der Airline ist eine Arbeitszeitüberschreitung und eine daraus resultierende Verspätung oder Annullierung für die Fluggesellschaft keine gültige Ausrede. Wird die Arbeitszeit hingegen aufgrund von einer Verspätung überschritten, die die Airline nicht verantworten muss ( Stichwort „außergewöhnlicher Umstand“), so muss die Fluggesellschaft keine Entschädigung leisten, wenn es aufgrund des Crewengpasses zu weiteren Verzögerungen kommt. Kann die Fluggesellschaft die Arbeitszeitüberschreitung jedoch frühzeitig antizipieren, muss sie sich schnellstmöglich um Ersatz für die Crew kümmern, um weitere Verspätungen zu vermeiden.

Erkrankung eines Crewmitglieds oder des Piloten

Ein anderes Problem, das im Zusammenhang mit der Crew auftreten kann, ist die Erkrankung eines Piloten oder einer der Flugbegleiter/innen. Grundsätzlich steht es in der Verantwortung der Airline bei einer plötzlichen Erkrankung eines Crewmitgliedes und einer daraus resultierenden Unterbesetzung schnellstmöglich Ersatz zu organisieren. Dies stellt keinen außergewöhnlichen Umstand dar und gehört zu dem alltäglichen Geschäft einer Fluggesellschaft. Die Fluggesellschaften müssen mit plötzlichen Krankmeldungen also rechnen.
www.n-tv.de/ratgeber/Pilot-krank-Airline-haftet-article7455446.html

Sollten Sie also von einer Airline mit dieser Ausrede vertröstet werden, lohnt es sich weitere Schritte einzuleiten und bei einer Verspätung von über 3 Stunden oder bei einer Annullierung eine Entschädigungsleistung gemäß der EU-Verordnung einzufordern.

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