Außergewöhnliche Umstände

Fluggastrecht – Wann liegen außergewöhnliche Umstände vor?

Juni 21, 2017

Die EU hat die Fluggastrechte klar definiert: Wenn ein Flug mehr als drei Stunden Verspätung hat oder komplett ausfällt, können Passagiere Entschädigungen gemäß der EU-Fluggastrechteverordnung verlangen. Allerdings gibt es Ausnahmen von dieser Regelung. Wenn sogenannte außergewöhnliche Umstände vorliegen, muss die Fluggesellschaft nicht zahlen. Generell ausgeschlossen sind Entschädigungen, wenn die Fluggesellschaft die Verzögerung oder den Flugausfall nicht zu verantworten hat. Ein medizinischer Notfall kann beispielsweise jederzeit für Verzögerungen sorgen, etwa, weil der Pilot gezwungen ist, eine unplanmäßige Zwischenlandung für einen Patienten mit Herzinfarkt an Bord einzulegen. Ein medizinischer Notfall in diesem Sinne liegt nach Meinung der meisten Gerichte allerdings nicht vor, wenn sich ein Flug wegen der Erkrankung eines Crewmitglieds verzögert, da die Airline für solche Fälle Ersatz vorhalten muss. Unwetter sind ebenfalls nicht von der Airline zu verantworten, denn wenn ein Flughafen etwa wegen eines Schneesturms oder eines Gewittersturms den Betrieb einstellt, sind daraus resultierende Verzögerungen und Flugausfälle hinzunehmen. Auch globale Wetterphänomene oder Naturkatastrophen wie ein Vulkanausbruch können zu Verspätungen oder der Annullierung von Flügen führen, bei denen die Passagiere keinen Entschädigungsanspruch haben.

Safety first – nicht immer ist die Airline schuld

Die Sicherheit kommt immer zuerst. Das ist gerade in der Luftfahrt ein wichtiger Aspekt. Ein Terroranschlag kann weltweit Verzögerungen im Flugverkehr nach sich ziehen, selbst wenn das eigene Land überhaupt nicht betroffen ist. Da Flüge international in sogenannten Slots organisiert werden, welche die Zeitfenster für ankommende und abfliegende Flugzeuge festlegen, wirken sich Störungen an einer Stelle schnell auf das gesamte System aus. Besonders spürbar war dies am 11. September 2001, als das generelle Flugverbot über den Vereinigten Staaten zu Flugausfällen auf der ganzen Welt führte. Seit dieser Zeit sind die Sicherheitskontrollen immer wieder verschärft worden. Je nach aktueller Sicherheitslage können diese Kontrollen jederzeit ausgedehnt werden. Ist die erhöhte Wartezeit bei der Sicherheitskontrolle unvermeidbar, ist die Fluggesellschaft in der Regel ebenfalls nicht zur Entschädigung verpflichtet.

Vielfältige Gründe

Ob Unwetter, Terroranschlag oder andere unvorhergesehene Umstände; selbst banale Gründe können dafür sorgen, dass sich eine Landung verzögert. Sehr häufig ist auch ein Streik die Ursache für Ausfälle und Verzögerungen im Luftverkehr. Egal, ob Bodenpersonal, Fluglotsen oder Piloten streiken, die Passagiere sind immer betroffen. Auch in diesen Fällen besteht in der Regel kein Entschädigungsanspruch. Da es aber immer wieder auf den Einzelfall ankommt und Gerichte unterschiedlicher Meinung sein können, wann außergewöhnliche Umstände vorliegen, ist es immer gut, sich zu informieren.

Maßnahmen seitens der Fluggesellschaft

Nicht immer führt aber bereits das Vorliegen eines außergewöhnlichen Umstands zur Entschädigungsfreiheit der Airline. Die Fluggesellschaft muss vielmehr nachweisen, dass sie alle zumutbaren Maßnahmen ergriffen hat, um Verzögerungen oder Ausfälle zu verhindern. Hierzu gehört das Bereithalten von Ersatzflugzeugen oder Anfragen von Subchartern. Erst wenn all diese Maßnahmen ergriffen wurden, entfällt die Entschädigungspflicht.
In jedem Fall muss eine Fluggesellschaft sich bei Verzögerungen oder Flugausfällen um ihre Passagiere kümmern. Diese kostenlose Betreuung umfasst je nach Dauer der Störung und Länge der Flugstrecke die Bereitstellung von Snacks oder Mahlzeiten, Getränken. Außerdem müssen Möglichkeiten zur Kommunikation per E-Mail, Fax oder Telefon und ggf. eine Hotelübernachtung von der Airline organisiert werden.

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